Newsletter Dezember 2021

INHALT: Posts: Dual Circulation Strategy: Chinas „neues Entwicklungsmodell“ / ChinAfrika-Forum auf Sparflamme // News: Europas Antwort auf Belt&Road: Global Gateway / 20 Jahre China in der Welthandelsorganisation WTO / Schuldendebatte: Highway to Disinformation? / Upate: Fregatte Bayern im Indo-Pazifik zeigt Beijing, wo der Hammer hängt // Besprechungen: Changes in Beijing’s economic involvement: Adaptation and Agency

Blog Posts

ChinAfrika-Forum auf Sparflamme

Wenn das 8th Forum on China Africa Cooperation Ende November ein Indikator für die verschärfte Konkurrenz zwischen den USA, Europa und China um Afrika gewesen sein sollte, dann hat sich Beijing ziemlich zurückgehalten. Die geringe mediale Aufmerksamkeit, die dem lediglich auf Ministerebene angesetzten Treffen zuteil wurde, erweckt den Eindruck, als wollten die meisten Beobachter rasch und gnädig den Mantel des Schweigens über FOCAC8 und seine Ergebnisse breiten. Dabei wartete das Meeting mit allen Schlüsselwörtern des chinesischen Entwicklungs-Narrativs auf: Partnerschaft, nachhaltige Entwicklung, Gemeinsame Zukunft in einer Neuen Ära, …. Mehr

Dual Circulation Strategy: Ein „neues Entwicklungsmodell“

Mit der ‚Dual Circulation Strategy’ (DCS) hat die Regierung in Beijing mal wieder einen Stein ins Wasser geworfen, um zu testen, welche Kreise die Ankündigung zieht. Allerdings ist es nach einigen wegen kritischen Artikeln in der internationalen Diskussion überraschend still geblieben. Dabei könnten die Überlegungen weitreichende Auswirkungen auf die weitere Globalisierung und Chinas führende Rolle darin haben. Mehr

News

‚Global Gateway’: Europas Antwort auf Belt&Road

Nachdem die US-Regierung im Juli 2021 mit der Initiative B3W einen eigenen Gegenentwurf für B&R vorgelegt hat, hinter den sich die Gruppe der westlichen Industrieländer (G7) gestellt hat (https://www.beltandroad.blog/de/2021/06/22/b3w-seidenstrassen-made-in-usa/), hat jetzt auch die Europäische Union nachgezogen: Die Global Gateway Strategy „stands for sustainable and trusted connections that work for people and the planet“ und zielt vorrangig auf digitale Infrastruktur und ‚grüne’ Energieprojekte wie Wasserstoff und Batterien für E-Autos ab. Für Länder auf dem Balkan und der Türkei, wo das Trans-European Transport Network ausgebaut werden soll, und in Afrika bietet die ‚To do-Liste’ insbesondere Transport-Infrastruktur, um Chinas Einfluss einzudämmen. Dazu kommen Gesundheits- und Bildungsprojekte. Als Beitrag zum ’systemischen Wettbewerb‘ sollen nicht nur geopolitische und wirtschaftliche Interessen bedacht, sondern auch Nachhaltigkeit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gefördert werden – Währungen, deren praktischer Wert in vielen westlichen Länder selbst gefährdet ist.

Bis zu 300 Milliarden Euros werden bis 2027 dafür in Aussicht gestellt. Wie viel frisches Geld in das Vorhaben fließen wird, bleibt allerdings unklar: Es wird „provide an umbrella brand for the already extensive EU investment in infrastructure worldwide“, heißt es, also bestehende Projekte besser koordinieren. Dazu werden einige Milliarden Euro an Zuschüssen, Geld aus dem laufenden EU-Haushalt und dem EU-Aufbauplan angekündigt – verbunden mit der Erwartung, dass sich auch private Investoren beteiligen werden. Die ersten Einschätzungen sind eher verhalten, sprechen von „Papiertiger“, von „a step in the right direction“ oder davon, dass die „EU will be judged on results, not the rhetorical repackaging of initiatives“.

20 Jahre China in der Welthandelsorganisation WTO

Der Rundgang durch das kleine Museum in der Bucht des Perlflusses nordwestlich von Hongkong, in dem an die Kanonenboot-Politik der westlichen Kolonialmächte und die heroische Aufopferung der unterlegenen chinesischen Truppen während der sogenannten Opium-Kriege Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert wird, endet etwas überraschend mit einem riesigen Foto anlässlich des Beitritts Chinas zur Welthandelsorganisation WTO 2001 – ein Fingerzeig darauf: Wir sind wieder da und nehmen den Kampf mit euch auf, dieses Mal im wirtschaftlichen Bereich. Wenige Jahre später sind die kapitalistischen Länder des Westens mit ihren eigenen Waffen zumindest angeschlagen. Der 20. Jahrestag war denn auch Anlass für zahlreiche Rückblicke auf diese historische Revanche. Hier eine mehr oder minder willkürliche kleine Auswahl:

Die Journalistin He Huifeng in South China Morning Post, 17. December 2021: ‚China’s WTO membership reshaped the country and global supply chains, but progress belies a future rife with uncertainty‘.

Der chinesische Fernsehsender CGTN: ’20 years in WTO: China’s transformation into world’s second-largest economy‘.

Das wirtschaftsliberale CATO Institute: ‚China Marks 20 Years in the World Trade Organization. We Should Celebrate It‘.

:Schuldendebatte: Highway to Disinformation?

Im Frühsommer schlug die Nachricht Wellen, dass Montenegro seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber China nicht erfüllen konnte und deshalb die EU um Hilfe bat (Siehe: ‚Meine Schuldner, deine Schuldner‘). Die China Africa Research Initiative (CARI) legte jetzt ein Briefing Paper vor, in dem die damalige Medien-Berichterstattung kritisch unter die Lupe genommen wird: Montenegro, China, and the Media: A Highway to Disinformation? CARI Briefing Paper No 7/2021.

Update: ‚Bayern’ zeigt Beijing, wo der Hammer hängt

Die Anfang August 2021 zu einer Mission mit „symbolischer Bedeutung“ ausgelaufene Fregatte ‚Bayern’ (Siehe: ‚Indopazifik: Die Logik der Eskalation‘) ist inzwischen auf dem Rückweg und hat dabei die umstrittene South China Sea (Siehe ‚Mare nostrum‘ in Südostasien‚) durchfahren. In Singapur kündigte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, am 21. Dezember ein verstärktes Engagement der bundesdeutschen Flotte in den indopazifischen Gewässern an – vorbehaltlich entsprechender Entscheidungen der Bundesregierung, wie er einschränkte. Um nicht gleich beim ersten Einsatz in der fernöstlichen Region nach 19 Jahren „mit dem Hammer“ zu kommen, so Schönbach, habe die Fregatte auf eine provokative Durchfahrt durch die Meeresenge zwischen Festlandchina und Taiwan verzichtet. Doch beim nächsten Einsatz könnte das anders aussehen. Mit der Schlagzeile „Deutschlands Kampf um Sicherheit und Wohlstand beginnt nun in Südostasien“ erinnert die Tageszeitung NZZ in ihrem Bericht über den Einsatz für die ‚Freiheit der Schifffahrt’ an die Parallele zur berüchtigten Ansage des früheren Verteidigungsministers Peter Struck 2002 im Vorfeld des Afghanistan-Einsatzes: „Unsere Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Besprechungen

Changes in Beijing’s economic involvement: Adaptation and Agency

A common Western narrative about Belt & Road revolves around the idea that Beijing is ‚buying‘ the governments of the BRI with its economic and financial offers and thus imposing its own plans on them. The result, the popular criticism goes, is that most countries and the people in them do not really benefit from China’s involvement, but become dependent. Many observers have long recognised that the reality is more complex. Two recent studies by the Carnegie Endowment for International Peace, which launched a research project on adaptive Chinese strategies that accommodate and work within local realities, show once again that Chinese engagement has learned to adapt to internal realities, resistances and national desires and thus, in return, opens up scope for development interests in the countries themselves.

Push to localize in Central Asia …

Dirk von der Kley and Niva Yau observe in their study ‚How Central Asians pushed Chinese firms to localize’, that there „has been a sea change in China’s economic involvement in Central Asia“. While fewer large-scale transport and electricity projects like coal-fired power plants are funded by Chinese government loans and hydrocarbon exports to China continue, there are a growing number of industrial projects that seek to make value-added products that can be exported. This change has been primarily driven by Central Asian states. The region’s governments have long pushed for industrial capacity building, including the upskilling of local workers. In addition, debt concerns in Kyrgyzstan in particular have made Chinese loans less attractive and less prevalent. Chinese firms have begun adapting to these demands. And they have tried to engage local communities to earn a ‘Social license’ for their overseas operations. The Central Asian Analytic Network (CAAN), says Paul Goble, a researcher with the Jamestown Foundation, confirms these changes and summarizes its own conclusions, “Chinese firms now are trying to build factories, to expand the reprocessing of raw materials and to modernize local agricultural enterprises.”

Van der Kley/Yau conclude: „The views that outside observers in Washington and elsewhere harbor of China’s infrastructure investments through the Belt and Road Initiative (BRI) in Central Asia are outdated and do not reflect how much Chinese firms and eventually the Chinese government have adapted to meet local needs.“

… and to revitalize the energy grid in Argentina

Similarly in Latin America, countries in the region have sought to direct some of China’s economic and financial resources to promote their own strategic sectors. Argentina illustrates this dynamic well, particularly in the energy sector, writes Juliana González Jáuregui. Argentinian government officials and business leaders have attracted Chinese investment and finance into renewables and other types of energy to promote Buenos Aires’s goals of taking a hybrid path to an energy transition. For its part, China has seized this opportunity to advance its own development goals and to participate in Argentina’s energy transition strategy.

Interestingly, Argentina is no BRI-country yet, still this lack of committed engagement with the BRI has not impeded the expansion of Chinese overseas investment and financing for renewables and other types of energy projects in the country. In a clear sign of political agency, the diplomatic outreach of key Argentinian national and provincial government officials, as well as corporate players’ push for local associations, has been central in the quest to increase Chinese engagement in Argentina’s solar and wind power sectors and in other alternative energy projects. These interactions have allowed Argentinian policymakers to help shape an adaptive partnership to strengthen the alignment between Chinese investments and Argentinian development objectives.

Admittedly, this engagement has at times encountered resistance due to environmental and social risks in certain localities. Even so, these concerns are part of the learning process and set a tone for future cooperation on energy projects. Thus, local tensions are pushing both Argentinian and Chinese actors to learn from the problematic impacts of some projects and do more to address local communities’ concerns jointly.

A “new development model?”

To some extent, the Carnegie Foundation’s research project seems to be somewhat naive. Not all countries are equally able to apply the same leverage on Beijing to adapt to their local conditions and perspectives. Moreover, for all its flexibility, China is not forgetting its own long-term interests, reminds Paul Goble. Adjustments are partly a response to Sinophobia and resistance to too much Chinese influence, which can jeopardise projects, as well as to financial risks from an increasing ‚overstretching‘ of Belt&Road. For some time now, a trend can be observed that Chinese policy banks are embracing more conservative lending policies globally for infrastructure projects. Currently, these changes also fit into the „new development model“ announced by President Xi Jinping in the early summer of 2020: the ‚Dual Circulation Strategy‘ aims at a closer integration and coordination of domestic and foreign economic policies in order to secure China’s economic and thus political stability in the face of geopolitical tensions. (See Post: ‚China’s „new developmenhttps://www.beltandroad.blog/2021/12/15/chinas-new-development-model/t model“‚)

Dirk von der Kley, Niva Yau, How Central Asians pushed Chinese firms to localize. Carnegie Endowment, October 15, 2021.

Juliana González Jáuregui, How Argentina Pushed Chinese Investors to Help Revitalize Its Energy Grid. Carnegie Endowment, December 2021.

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